Valens-Aquadukt (Bozdoğan Kemeri): Römische Wasserbrücke von Istanbul

Valens Su Kemeri
Bozdoğan Kemeri

Was ist das Valens-Aquadukt?

Das Valens-Aquadukt, auf Türkisch Bozdoğan Kemeri, ist ein Aquädukt aus römischer Zeit im heutigen Stadtteil Fatih in Istanbul. Es wurde in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts errichtet und unter Kaiser Valens im Jahr 373 fertiggestellt. Ziel der Anlage war es, die rapide wachsende Hauptstadt Konstantinopel zuverlässig mit Frischwasser zu versorgen.

Das Aquädukt ist kein isoliertes Bauwerk, sondern ein sichtbarer Abschnitt eines weit verzweigten Systems aus Kanälen, Tunneln und Brücken, das Wasser aus Quellgebieten in Thrakien in die ummauerte Stadt leitete. Es speiste Badeanlagen, Paläste und große Zisternen, in denen Trink- und Brauchwasser gespeichert wurde.

Lage und architektonische Merkmale

Das Valens-Aquadukt verbindet zwei der historischen Hügel Istanbuls. Auf der einen Seite befindet sich der Hügel der Fatih-Moschee, auf der anderen das Gebiet der Universität Istanbul. Die moderne Atatürk-Straße verläuft direkt unter den Bögen.

  • Ursprüngliche Länge: etwa 970 m
  • Heute erhaltene Länge: etwas über 900 m
  • Durchschnittliche Höhe: rund 28–29 m

Der Bau besteht aus behauenem Stein und Ziegeln in zweigeschossigen Bogenreihen. Der Wasserkanal verlief ganz oben mit einem sehr geringen Gefälle, sodass das Wasser ausschließlich durch die Schwerkraft floss. Das Gefälle musste so genau berechnet werden, dass das Wasser gleichmäßig laufen konnte, ohne zu stocken oder überzulaufen.

Rolle im antiken Wassersystem

Das Aquädukt gehörte zu einem der längsten bekannten antiken Wasserversorgungssysteme. Mehrere Quellenfelder in Thrakien wurden gefasst und über viele Kilometer Richtung Konstantinopel geführt. Große offene und gedeckte Zisternen wie die Mocius- und Aetius-Zisterne, die Versunkene Zisterne (Yerebatan) oder die Binbirdirek-Zisterne dienten als Wasserspeicher und Verteilstellen.

Die Valens-Linie war besonders wichtig für die Versorgung des kaiserlichen Viertels, des Großen Palastes und der Umgebung des Hippodroms. Mit dem Wachstum der Stadt in spät­römischer und frühbyzantinischer Zeit wurden neue Abzweigungen gebaut und bestehende Abschnitte regelmäßig repariert.

Byzantinische Zeit

In der byzantinischen Epoche wurde das Aquädukt mehrfach instand gesetzt und teilweise erneuert. Kriege und Belagerungen führten zu Schäden, dennoch blieb die grundlegende Funktion – Wasser aus dem Umland in die Stadt zu bringen – über Jahrhunderte erhalten.

Als die Einwohnerzahl in der Spätzeit des Reiches stark zurückging, sank auch der Wasserbedarf. Einige Teile des Systems wurden aufgegeben, andere blieben für Klöster, Gärten und kleinere Brunnen weiter in Betrieb.

Osmanische Zeit und Restaurierungen

Nach der Eroberung Istanbuls im Jahr 1453 erkannten die Osmanen den Wert der vorhandenen Wasserinfrastruktur. Das Valens-Aquadukt und die angeschlossenen Leitungen wurden repariert, um den Topkapi-Palast, den Alten Palast und umliegende Viertel mit Wasser zu versorgen.

In den folgenden Jahrhunderten ordneten verschiedene Sultane immer wieder Reparaturen und Verstärkungen an. Parallel dazu entstanden neue Wassersysteme wie die Kırkçeşme-Anlagen, doch die Valens-Leitung blieb weiterhin Bestandteil der städtischen Versorgung.

In der Neuzeit konzentrieren sich Restaurierungsprojekte vor allem auf die Sicherung des Mauerwerks und den Erhalt des Aquädukts als prägnantes Element im Stadtbild der historischen Halbinsel.

Das Valens-Aquadukt heute

Heute ist das Valens-Aquadukt ein markanter Blickfang in Istanbul und ein Symbol für die lange Geschichte der städtischen Wasserwirtschaft. Obwohl es kein Wasser mehr führt, zeigt es anschaulich, wie wichtig ausgefeilte Versorgungssysteme für das Überleben und das Wachstum Konstantinopels waren.

Für Besucher bietet das Aquädukt:

  • Ein gut erreichbares Beispiel römischer Ingenieurskunst mitten in einer modernen Metropole
  • Einen direkten visuellen Bezug zwischen römischer, byzantinischer und osmanischer Vergangenheit
  • Einen lohnenden Halt auf Spaziergängen, die auch die Fatih-Moschee, die Universität und die Stadtmauern einschließen

Schon ein kurzer Aufenthalt unter und um die Bögen macht deutlich, wie sehr Wasserleitungen und Zisternen die Entwicklung Istanbuls geprägt haben.

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