Die unterirdische Moschee auf dem Gömek-Plateau bei Batman

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Das Gömek-Plateau im Gebiet des Dorfes Karameşe im Landkreis Sason (Provinz Batman) rückte im Jahr 2025 durch den zufälligen Fund eines geheimnisvollen unterirdischen Bauwerks in den Fokus der türkischen Archäologie. Bei dem Objekt handelt es sich um einen in den Fels eingetieften Raum an einem steilen Hang nahe der sogenannten „Cehennem Deresi“ (Höllenschlucht). Aufgrund seines Grundrisses, eines klar ausgebildeten Mihrabs und der umliegenden Gräber wird der Bau als unterirdische Moschee gedeutet. Der Befund legt nahe, dass hier ein Gebetsraum mit einem Bestattungsareal zu einem einheitlichen heiligen Komplex verbunden war.

Landschaftlicher Kontext: Gömek-Plateau und Höllenschlucht

Das Gömek-Plateau gehört zu den hoch gelegenen Weidegebieten in der gebirgigen Landschaft von Sason und wird traditionell für den saisonalen Weidegang genutzt. Nach Berichten von Dorfbewohnern und Wanderern wurde die unterirdische Struktur entdeckt, als eine kleine Öffnung im Fels über der Schlucht bemerkt und erkundet wurde. Zwar waren aus früheren Bestandsaufnahmen bereits verschiedene Fundstellen in der Region bekannt, doch gerade dieses Objekt war bislang nicht erfasst – ein Umstand, der die besondere Aufmerksamkeit von Archäologen und Geschichtsinteressierten erklärt.

Architektonische Merkmale der unterirdischen Moschee

Der Zugang zur Moschee erfolgt über einen schmalen Eingang. Im Inneren tritt vor allem ein relativ gut erhaltener Mihrab hervor, der eindeutig die Gebetsrichtung anzeigt und damit die Funktion als islamischer Gebetsraum belegt. In den Wänden und in den gewölbeartigen Deckenflächen sind zahlreiche keramische oder aus Ton gefertigte Gefäße eingelassen.

Erste Deutungen gehen davon aus, dass diese Gefäße dazu dienten,

  • den Hall und die Nachhallzeit zu steuern,
  • die Stimme des Vorbeters im Raum gleichmäßiger zu verteilen,
  • und die akustische Qualität des Innenraums insgesamt zu verbessern.

Vergleichbare „Klanggefäße“ oder Resonanzkörper sind aus Moscheen ebenso wie aus Kirchen und Klöstern bekannt, wo sie gezielt in die Baukonstruktion integriert wurden, um die Sprachverständlichkeit zu erhöhen.

Gräber und heilige Topographie

Im Inneren des unterirdischen Baus wurde ein auffälliges, sarkophagähnliches Grab festgestellt. Oberflächliche Begehungen auf dem Plateau zeigten zudem zahlreiche langgestreckte Gräber, darunter auch Kindergräber. Dieses Bild spricht dafür, dass der Ort nicht nur als Moschee genutzt wurde, sondern zugleich mit einem größeren Friedhof oder einem um ein verehrtes Grab gruppierten Heiligtum verbunden war.

Damit reiht sich der Fund in ein bekanntes Muster der islamischen Welt ein, in dem Gebetshaus, Grab und Pilgertradition häufig eng miteinander verflochten sind.

Mögliche Datierung und wissenschaftliche Einordnung

Eine gesicherte Datierung der unterirdischen Moschee auf dem Gömek-Plateau liegt bislang nicht vor. Mehrere Merkmale des Bauwerks:

  • die Einbettung in den Fels,
  • die vergleichsweise schlichte Ausbildung des Mihrabs,
  • und der Einsatz von Klanggefäßen als charakteristisches, aber funktionales Detail,

weisen auf den ersten Blick auf das Mittelalter und möglicherweise auf eine frühe Phase islamischer Präsenz in der Region hin. Alle diese Überlegungen sind jedoch vorläufig. Für eine belastbare Datierung sind notwendig:

  • systematische archäologische Ausgrabungen,
  • Analysen der Keramik und der Mörtel- und Bautechniken,
  • naturwissenschaftliche Datierungsverfahren wie Radiokarbonmessungen,
  • sowie der Abgleich mit schriftlichen Quellen zur Geschichte von Sason und Batman.

Bedeutung im Kontext unterirdischer Sakralräume Anatoliens

Anatolien ist reich an in den Fels gehauenen und unterirdischen Sakralbauten: Höhlenkirchen, Klöster, Kapellen und vereinzelt auch kleine Moscheen oder Gebetsräume. Die berühmten Felskirchen Kappadokiens und die Höhlensiedlungen Südostanatoliens sind bekannte Beispiele dieser Tradition. Die unterirdische Moschee auf dem Gömek-Plateau hat das Potenzial, diese Reihe um ein spezifisch islamisches und zugleich architektonisch bemerkenswertes Beispiel zu erweitern.

Hervorzuheben sind insbesondere:

  • der anspruchsvolle Umgang mit akustischen Gefäßen,
  • die enge Verzahnung von Gebetsraum und Bestattungsareal,
  • und die exponierte Lage an einem schwer zugänglichen Gebirgshang.

Damit bietet der Fund einen wichtigen Ansatzpunkt, um das Zusammenspiel von Architektur, religiöser Praxis und Landschaft in Rand- und Höhenlagen besser zu verstehen.

Erhaltung, Ausgrabung und zukünftige Forschung

Nach dem Fund stellt sich vorrangig die Frage nach Schutz und wissenschaftlicher Dokumentation des Ortes. Für die unterirdische Moschee auf dem Gömek-Plateau gelten als zentrale Schritte:

  • die offizielle Unterschutzstellung als Kulturdenkmal,
  • die Festlegung klarer Schutzgrenzen,
  • kontrollierte Reinigungs- und Grabungsarbeiten durch Fachteams,
  • sowie eine detaillierte Aufnahme mittels 3D-Laserscans und moderner Dokumentationsverfahren.

Unkontrollierte Besuche, unsachgemäße Beleuchtungsversuche oder andere Eingriffe können die empfindliche Bausubstanz und die Funde unwiederbringlich schädigen.

Obwohl viele Fragen zur unterirdischen Moschee auf dem Gömek-Plateau noch offen sind, hat ihr Fund bereits jetzt eine neue Diskussion in der Erforschung der islamischen und archäologischen Geschichte der Türkei angestoßen. Künftige interdisziplinäre Untersuchungen dürften klären, aus welcher Zeit der Bau stammt, welche Gemeinschaften ihn errichteten und nutzten und welchen Platz er im historischen Gefüge der Region einnimmt.

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